Freitag, 18. Juni 2010

Wenn die Lust zu Frust wird

Von Marc Schmerbeck

Wenn die Lust zu Frust wird
Fritz Zott (links), Abteilungsleiter des SSV Gaisbach, führte die Mannschaft um Kapitän Jakob Chevalier zur Kreisliga A-Meisterschaft.

Fussball - Die Worte kommen bedächtig aus dem Mund von Fritz Zott. Er will nicht falsch verstanden werden. Aber gleichzeitig will der Abteilungsleiter des SSV Gaisbach auch Klartext reden. Denn das Ziel hat er mit seiner Mannschaft erreicht. Nach zehn Jahren Abstinenz ist man zurück in der Fußball-Bezirksliga. Vor wenigen Jahren war man gar in die Kreisliga B abgestiegen. Doch Zott hatte es sich zum Ziel gesetzt, wieder zwei Klassen aufzusteigen. Es gelang zunächst der direkte Wiederaufstieg. Vier Jahre später steht man nun vor den Toren der Bezirksliga. Doch im Moment des großen Triumphs überlegt er aufzuhören. "Maybe it"s time to say goodbye", sagt er.

Probleme

Die Probleme sind mit den Jahren immer größer geworden. "Wir haben in Gaisbach nur wenig Mittel. Ich schiele da schon manchmal etwas neidisch zu anderen Vereinen. Hier geht es nur mit Einsatz und Engagement. Und vor allem nur, wenn alle zusammenhalten." Und das hat ihm immer mehr gefehlt. Es gab nicht immer die volle Rückendeckung, die er wollte. "Unser großes Plus war immer das Miteinander. Nur zusammen kann man etwas bewirken. Wenn mal nicht mehr alle an einem Strang ziehen, ist Endstation. Ich mache es nicht mehr zu jedem Preis."

Und dann ist da ein zweiter Punkt, der ihn bedrückt. "Seit es die Fußballschule Jako gibt, ist unsere Jugend zur Erfolglosigkeit verdammt worden. Die größten Talente wandern immer ab", meint Zott. Auf der anderen Seite zeigt Zott aber Verständnis: "Der Sinn der Schule ist richtig. Keine Frage. Talentierte Spieler sollen durchaus weitergebracht werden. Aber warum müssen auch die zweit- und drittbesten Spieler geholt werden? Das stellt viele Vereine vor große Schwierigkeiten, nicht nur uns. Ich habe zu kämpfen, dass ich den Jugendleiter und die Betreuer nicht verliere. Jugendabteilungen können dadurch getötet werden, es sollte kontrollierter sein."

Frust

Und so wurde aus der Lust immer mehr Frust. 15 Jahre arbeitet Zott jetzt ehrenamtlich für den SSV. Beinahe täglich. "Das hat mir nie etwas ausgemacht, so lange es harmoniert hat", sagt der 48-Jährige. Dies war aber in den vergangenen Monaten nicht immer der Fall.

Auch wenn seine Mannschaft auf dem Platz meist für lächelnde Gesichter sorgte, mehrten sich die negativen Gedanken. Trotzdem freut er sich über den Titelgewinn in der Kreisliga A1. "Dass es mit dem Aufstieg klappte, liegt auch am Betreuerstab um Trainer Wolfgang Guja", sagt der Gaisbacher Abteilungsleiter. "Das war ein Glücksgriff. Er brachte Ordnung und Disziplin in die Truppe und brachte sie auch taktisch weiter. Und wir konnten immer sehr positiv miteinander reden." Guja erarbeitete sich den Respekt der Mannschaft. "Er ist mit seinen 34 Jahren immer noch ein sehr guter Fußballer. Trotzdem hat er sich selbst zurückgenommen, um den jungen Spielern eine Chance zu geben", sagt Zott. "Er geht die Sache langfristig an. Das honoriert auch die Mannschaft."

Im Jahr zuvor scheiterte der SSV noch in der Relegation. Doch gezielte Verstärkungen sorgten nun für den Erfolg. Zum Beispiel erwies sich Emre Celen als genau der richtige Spieler fürs Mittelfeld. Und im Angriff schoss Janni Papakostas ein Tor ums andere. 27 Mal traf er. "So lange ich in der Verantwortung bin, spielen Papakostas und Celen in den nächsten beiden Jahren beim SSV", sagt Zott. "Wenn die Mannschaft hinter ihnen steht und sie stärkt, werden wir noch viel Freude an den beiden haben."

Damit der Unterbau in der nächsten Saison stimmt, bekommt die zweite Mannschaft mit Roland Schneider aus Amrichshausen einen neuen Trainer. "Für mich ist die zweite Mannschaft genauso wichtig wie die erste", sagt Zott. "Sie ist das Herz des Vereins."

Wenn die Lust zu Frust wird
Nach dem vorletzten Saisonspiel jubelten Spieler und Verantwortliche über den Aufstieg in die Bezirksliga.Fotos: Marc Schmerbeck