Donnerstag, 24. Juni 2010

Ein Großstadt-Profi auf dem Land

Von Marc Schmerbeck

Ein Großstadt-Profi auf dem Land
Stuttgart, Berlin, Hamburg und jetzt Hollenbach: Das dörfliche Umfeld gibt Steffen Lauser (rechts) eine gewisse Geborgenheit.Foto: Marc Schmerbeck

Fussball - Vor Jahren zog Steffen Lauser aus, die Fußball-Welt zu erobern. Er zog mit Jerome Boateng und Patrick Ebert durch die Straßen von Berlin. Er wollte Hamburg erobern. Jetzt wohnt er im 500-Seelen-Ort Hollenbach. "Das war schon eine Umstellung", sagt Lauser. "Ich habe vorher nur in Großstädten gewohnt und hatte in Dänemark einen Profivertrag." Beim AC Horsens spielte er zwei Jahre in der ersten Liga.

Sicherheit

Dann wurde sein Vertrag nicht mehr verlängert und Lauser hoffte auf Angebote aus Deutschland. "Zweite Liga hätte ich gerne gespielt", sagt er. Aber durch Verletzungen war er aus dem Fokus der Scouts heraus gerückt. Und so entschied sich der Böblinger für die Sicherheit. Er wollte für das Leben nach dem Fußball vorsorgen. Also nahm der Mittelfeldspieler vor der abgelaufenen Saison das Angebot des FSV Hollenbach an und spielte in der Verbandsliga. "Es war unser Ziel, in die Oberliga aufzusteigen, das haben wir geschafft."

Der Profi wurde wieder zum Hobbyfußballer. Er begann beim Sportartikelhersteller Jako ein Studium an der Berufsakademie. "Aber ich konnte nicht mehr lernen. Das war nichts für mich", sagt er. "Ich habe nach meinem Abi sechs Jahre lang nur Fußball gespielt. Es funktionierte nicht mehr." Nun absolviert er eine Ausbildung zum Groß- und Einzelhandelskaufmann. "Das war wie Tag und Nacht zu meinem früheren Leben", erzählt Lauser. "Ich konnte es mir am Anfang nicht vorstellen, hierher zu kommen." Doch mit Tobias Röschl hütet in Hollenbach ein Freund aus alten Tagen das Tor. Einer der wenigen Verbliebenen.

Denn auch dies sei eine Schattenseite des Profitums, sagt Lauser. Lange halten Freundschaften meist nicht. Denn irgendwann kommt der Vereinswechsel. "Tobi und ich kennen uns seit 15 Jahren", sagt Lauser. Seit ihrer Zeit in der Jugend des SV Böblingen und des VfB Stuttgart. "Er ist mein bester Freund. Der Kontakt zu Tobi ist nie abgebrochen. Ich vertraue ihm blind. Ich denke, es ist hier in Hollenbach besser für mich."

Geborgenheit

Der Böblinger hat sich mittlerweile eingewöhnt. "Wir sind eine große Familie. Das hatte ich in den Profivereinen nie", sagt der Mittelfeldspieler. "Aber ich habe lange gebraucht, bis ich mich daran gewöhnt hatte. Schließlich habe ich vorher nur in Großstädten gewohnt." In Stuttgart, in Berlin, in Hamburg und schließlich in Horsens. Doch das Umfeld in Hollenbach gibt ihm eine gewisse Geborgenheit. "Hier kann man Geschichte schreiben. Ich freue mich, ein Teil von dem zu sein, was hier passiert."

Jetzt nimmt er erneut einen Anlauf, die Fußball-Landkarte zu erobern. Allerdings im kleineren Rahmen. Der Oberliga-Aufsteiger möchte sich einen Namen in Baden-Württemberg machen. "Wer weiß, vielleicht schaffen wir irgendwann sogar noch einen Aufstieg", sagt Lauser. Doch zunächst gilt es, sich in der höchsten Liga des Landes zu etablieren. "In der Verbandsliga hat uns der Teamgeist stark gemacht", sagt er. Jeder stand für den anderen ein. Und auch der Verein hielt zu ihm, als es Mitte der Vorrunde nicht rund bei Lauser lief. Das geringere Trainingspensum als bei Proficlubs machte ihm zu schaffen.

Auch hätte er lieber als Nummer sechs im zentralen Mittelfeld gespielt. Meist kam er aber über Außen. Doch es hat sich alles eingespielt. "Weil wir ein gemeinsames Ziel hatten und man sich auf die Leistungsträger immer verlassen konnte", sagt er. "Wir wollten aufsteigen." Noch genießt er gerade seine freie Zeit. Doch bald geht es wieder los. Am 30. Juni startet beim FSV das Training.